Einige Tipps von Professor Jenfu Ni, Universität Nanjing/China,
an die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in aller Welt.
Anschrift: Herr Prof. Jenfu Ni
Germanistikinstitut der Universität Nanjing
210093 Nanjing/China
e-mail: Prof. Jenfu Ni
Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,
Die Webseite Musenalp Worldwide Online - unter www.musenalp.com - wurde fast gleichzeitig mit der 12. Internationalen Deutschlehrertagung (IDT) 2001 in Luzern (http://www.idt-2001.ch ), an der ich auch teilgenommen habe, geboren.
Von ihrer Geburtsstunde an widmet sie sich vorwiegend einer bestimmten Gruppe - den Jugendlichen.
Das gute alte Konzept des Musenalp-Herausgebers Othmar Beerli, das dank seinem Jugendmagazin Musenalp Express und insbesondere dank seinen drei Bänden "Junge Texte & Junge Fotos" (siehe e-shop auf dieser Web-Site) bei den jungen Menschen ein Bestseller war und ist, wird hier also fortgeführt.
Und dies geschieht in einer virtuellen Welt, die mit dem Aufmarsch unserer Wissensgesellschaft die Neuen Lernkulturen zunehmend mitprägt.
So denke ich, dass das Musenalp-Jugendportal nicht nur ein Freund der Textschreiber aus dem deutschsprachigen Kulturraum ist, es ist vielmehr ein Freund der jungen Menschen aus aller Welt.
Es ist also ein Freund aller Freunde.
Somit möchte ich Ihnen und durch Sie Ihren Schülerinnen und Schülern diese Webseite sehr empfehlen.
Schreiben wird heutzutage als eine Schlüsselkompetenz gefordert und gefördert.
Gerade hierfür kann die Musenalp-Webseite etwas anbieten. Hier können die jungen Menschen alles publizieren, seien es ihre Reiseberichte, ihre Ferienfotos, ihre Gedichte oder Kurzgeschichten, ein ärgerliches oder freudiges Vorkommnis, ihre Kritik oder Stellungnahme zu einem Weltgeschehen.
Mit der Teilnahme von Textschreibern aus anderen Kulturkreisen sind einige neue Aspekte zu berücksichtigen, die für unsere didaktischen Überlegungen von Belang sein könnten.
Vor allem ist die Kommunikation interkulturell und hermeneutisch angesetzt. Durch diese Art der Kommunikation kommen die jungen Menschen trotz ihrem deutlichen Gegenüber zwischen dem Eigenen und dem Fremden einander näher. Dadurch wachsen unter ihnen das Verständnis und die Verständigung - das ist das Interessanteste daran.
Des Weiteren sind die Texte der FS-(Fremdsprachen)-Lerner lernstufenbedingt. Als Muttersprachler können sie sich - sprachlich gesehen - frei äußern. Als FS-Lerner jedoch können sie ihre Gedanken und Gefühle nur bedingt ausdrücken.
Dabei werden sprachliche Fehler gemacht. Viele haben Angst davor und fühlen sich unter Druck, was die Kommunikation natürlich beeinträchtigt.
Nach meiner Erfahrung sollten Sie als Lehrperson die Lernenden ermutigen, Fehler zu machen und sich trotzdem zu äußern.
Es sei besonders denjenigen herzlich gedankt, die unbeabsichtigt für eine bestimmte Zielgruppe typische Fehler gemacht haben und somit ihren Mitlernenden eine gute Chance geboten haben, Nützliches und Wertvolles aus den Fehlern anderer zu lernen.
Ein dritter, wichtiger Aspekt ist die Fehlerkorrektur.
Sie als Lehrperson sollten nicht in die Schülertexte eingreifen. Der Inhalt muss authentisch bleiben.
Sprachliche Probleme und jegliche Hemmungen sollten jedoch ernst genommen, tolerant behandelt und zugunsten des gedanklichen Austausches durch beratende Hilfeleistung behoben werden.
Und schließlich die Verantwortlichkeit. Anfangs brauchen die jungen Menschen vielleicht die Hilfe des Lehrers. Schnell aber können sie schon "ihren Mann/ ihre Frau stehen".
Sie als Lehrperson werden merken, dass Ihre Schülerinnen und Schüler bald keinen Lehrer mehr brauchen. Sie setzen sich nämlich mit ihrem Interesse, Bedürfnis und Vergnügen allein und eigenverantwortlich auseinander; sie lernen selbstständig, bewegen sich sogar schneller und zweckmäßiger als der Lehrer.
Meiner Meinung nach sind die FS-Lerner in der virtuellen Kommunikation keine Lerner mehr, sie sind Leser und Schreiber wie die Muttersprachler, Teilnehmer und Mitgestalter wie die Webseitenmoderatoren.
Übrigens kann man im Internet mehrdimensional arbeiten: Musik und Nachrichten online anhören, Bilder und Videotexte anschauen, mit Freunden plaudern, Infos recherchieren, Fremdsprachen lernen und fremde Kulturen kennen lernen, virtuelle Seminare und Bibliotheken besuchen, um nur einiges zu nennen.
Da Musenalp Worldwide Online stark jugendzentriert ist, sollten Sie als Lehrperson Ihre Schülerinnen und Schüler in diese virtuelle Welt mit Schreibanlässen einführen, die sie ansprechen und zum kreativen Denken anregen können.
Es geht ganz einfach: Die Webseite www.musenalp.com anklicken, zur Tastatur greifen, eigene Texte erstellen und veröffentlichen.
Viel Spaß!